Migrations... Vordergrund!
Sema Poyraz und Serpil Şimsek Bierschwale sind Einwanderer der ersten Generation. Murat Dikenci und Duygu Şebnem İnce gehören der dritten Generation an. Alle vier sind Darsteller im Theaterstück "Pauschalreise - die erste Generation".
"Pauschalreise - Die 1.Generation" ist ein Theaterstück von Lukas Langhoff. Den Text lieferte Hakan Savaș Mican. Nach den Produktionen "Klassentreffen - die 2. Generation" und "Ferienlager - Die 3. Generation" ist "Pauschalreise - Die 1. Generation" der letzte Teil der Gererationen-Trilogie von Langhoff. Das Stück wird zur Zeit im Ballhaus Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg aufgeführt. Die Darsteller kommen alle aus der ersten beziehungsweise aus der dritten Einwanderergeneration und haben zum Teil keine Schauspielerfahrung.
Sema Poyraz kam 1961 mit ihrer Familie nach Deutschland, kurz nach Unterzeichnung des Anwerbeabkommens. Die damals Elfjährige landete mit ihrer Familie direkt in einer süddeutschen Kleinstadt. Von Unterschieden, die zwischen ihr und den anderen gemacht wurden, bekam sie nicht viel mit. „Meine Freunde waren damals größtenteils Ungarn und Bulgaren - heimatlose Vertriebene. Ich als Türkin war für sie eine Exotin. Wie aus den Märchen aus 1001 Nacht.“ Ihre Mutter achtete streng darauf, dass sie schnell die deutsche Sprache lernte - und auf das ortsansässige Gymnasium ging. „Dies war eigentlich nur Akademiker-Kindern vorbehalten. Ich war dort das einzige Arbeiterkind.“
Verpasste Integration, generelle Unterschiede in den ersten Jahren des Anwerbeabkommens und persönliche Erfahrung. Hier geht's zum Gespräch mit Semar und Serpil:
Das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei wurde am 30. Oktober 1961 unterzeichnet. Es regelt die Einwanderung von türkischen Gastarbeitern. So wurde zum Beispiel die Aufenthaltserlaubnis auf zunächst 2 Jahre befristet und festgelegt, dass nur unverheiratete Arbeiter angeworben werden sollten. Außerdem sollten zunächst nur Arbeiter aus dem europäischen Teil der Türkei kommen. Es war nur ein 2-jähriger Aufenthalt der Gastarbeiter vorgesehen; dass sich Gastarbeiter vielleicht dauerhaft in Deutschland niederlassen würden, war nicht geplant.
„Damals waren nicht die Türken die Ausländer, sondern die Italiener“, erinnert sich Sema. Äußerlich seien die Türken damals nicht besonders aufgefallen. Das habe daran gelegen, dass türkische Gastarbeiter 1961 größtenteils aus dem europäischen Teil der Türkei kamen, sie waren westlich gekleidet, sahen westlich aus. Erst Jahre später seien die ersten Frauen mit Kopftuch nach Deutschland gekommen. Sema erklärt: „Das Kopftuch war damals nicht in erster Linie Ausdruck der Religion oder einer politischen Ausrichtung.“ Es sei schlichtweg die traditionelle Kleidung der anatolischen Bäuerinnen gewesen.Als Anatolien (auch Kleinasien genannt) bezeichnet man den asiatischen Teil des türkischen Staatsgebiets. Es nimmt etwa 97 % der Fläche ein. Die restlichen 3 % entfallen auf Thrakien, den europäischen Teil der Türkei. Hier liegt Istanbul. Die Hauptstadt Ankara liegt in Zentralanatolien. 98 % der Bevölkerung sind Muslime.
Südostanatolien zählt zu den ärmsten Regionen des Landes. Hier entsteht derzeit eines der größten Staudammprojekte der Welt - das Güneydoğu Anadolu Projesi (GAP). Es umfasst den Bau von 22 Staudämmen, 19 Wasserkraftwerken und Bewässerungsanlagen entlang der beiden Flüsse Euphrat und Tigris.
Dorf vs. Großstadt. Welche Erfahrungen die beiden gemacht haben, seht ihr im Interview.
Jetzt seid ihr gefragt! Empfindet ihr das Kopftuch als politisches Statement oder als Ausdruck des Glaubens? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Sind die Menschen in ländlicheren Regionen gegenüber Deutschtürken wirklich so voreingenommen, wie Duygu sagt?
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