NSU

Die Abkürzung NSU steht für Nationalsozialistischer Untergrund - auch bekannt als "Zwickauer Zelle". Die Existenz der NSU wurde im November 2011 bekannt. Nach bisherigen Erkenntnissen gehören der NSU Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Diese werden unter anderem für die Neonazi-Mordserie in den Jahren 2000 bis 2006, das Nagelbomben-Attentat in Köln 2004 und den Polizistenmord von Heilbronn im Jahr 2007 verantwortlich gemacht.

Die Bundesanwaltschaft bezeichnet sie als „rechtsextremistische Gruppierung“, deren Zweck es sei, „aus einer fremden- und staatsfeindlichen Gesinnung heraus vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft zu töten“. Der Thüringer Verfassungsschutz geht davon aus, dass die Vereinigung von bis zu 20 Personen unterstützt wurde, von denen sich derzeit (Dezember 2011) mehrere in Untersuchungshaft befinden. Seit dem 19. Dezember ermittelt die Staatsanwaltschaft, nach einer Privatanzeige, auch gegen den Thüringischen Verfassungsschutz wegen des Verdachts der Beihilfe zu Flucht, Strafvereitelung im Amt und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Mehr zum Thema

Unsere Top-News

    • Fluter
    • Zugehört
    • Migration
    • Integration
    Menschen

    Wann misslingt und wie gelingt Integration?

    In Film, Literatur, Kunst, Politik und Wirtschaft gibt es in Deutschland junge Türken/innen und türkischstämmige Deutsche, die Karriere gemacht haben. Ein Teil der heutigen jungen Generation, deren
    mehr
    • wirtschafl
    • Zugehört
    • Integration
    Zukunft

    Sind wir nicht alle ein bißchen Rocky?

    "Zugehört!", das Polit-Battle in der Box-Arena, geht in die heiße Phase. Schick uns jetzt deine Meinung und deine Fragen zu den Themen Zusammenleben, Umwelt, Wirtschaft und Bildung und gestalte dein
    mehr

Auf dem rechten Auge blind

1Mai Berlin antifa
  • Rechtsextremismus
  • Rechtsradikalismus
11. Januar 2012

Seit einigen Monaten wird in Deutschland heiß diskutiert. Das Bekanntwerden der Zwickauer Terrorzelle und ihrer rechtsextremistisch orientierten brutalen Morde erschüttern ganz Deutschland. Wir haben darüber berichtet. Doch was sollte gegen die sogenannte NSU getan werden? Wir sprachen mit der AJAK (Antifa Jugendaktion Kreuzberg). Warum die NPD verboten werden sollte und wie rechtsextremer Terror bekämpft werden kann, erfahrt ihr hier.

DHDM: Wart ihr überrascht, als ihr von den Ausmaßen des organisierten, rechtsextremen Verbrechens erfahren habt?

AJAK: Wir waren vom Ausmaß der Nazimorde schon überrascht. Allerdings finden wir es nicht verwunderlich, dass Nazis skrupellos Menschen ermorden. Wir denken, dass das ein zentraler Bestandteil von Naziideologie ist – friedliche Nazis gibt es nicht. Selbst wenn sich einzelne Rechte, aktuell z.B. die NPD, von den Gewalttaten offiziell distanzieren, vertreten sie ein Gedankengut, das in der Endkonsequenz zu Morden führt.

Oder anders gesagt: Wenn die NPD an der Macht wäre, würde auch sie gewalttätig gegen Menschen vorgehen, sie diskriminieren, abschieben und auch töten. Denn die rechte Ideologie konstruiert „Rassen“ und Völker und sieht von ihnen den "deutschen Volkskörper" bedroht. Die logische Konsequenz aus diesem Denken ist nichts anderes als die Auslöschung dieser Menschen. Was uns allerdings überrascht und erschreckt hat ist die Tatsache, dass Nazis im 21. Jahrhundert unbemerkt über Jahre hinweg Attentate verüben können, ohne das Behörden, die demokratische Zivilgesellschaft oder unabhängige Antifaschist*innen das bemerken.

DHDM: Wer hat versagt? Die Politik, die Sicherheitsbehörden, die allgemeine Gesellschaft?

AJAK: Wahrscheinlich ist es müßig, eine*n einzige*n Schuldige*n ausmachen zu wollen – sowohl Politiker*innen als auch Journalist*innen und weite Teile der Zivilgesellschaft verschließen seit Jahren die Augen vor Nazimorden.

In den letzten 20 Jahren sind 182 Menschen (nach einer Aktuellen Studie der Amadeu-Antonio-Stiftung) an den Folgen rechter Gewalttaten gestorben, wobei nicht außer Acht gelassen werden darf, dass es hierbei auch noch eine Dunkelziffer gibt. Wer das nicht gesehen hat muss auf dem rechten Auge blind gewesen sein.
Ein besonderer Vorwurf geht jedoch natürlich an die Sicherheitsbehörden, den Verfassungsschutz etc. Die drei NSU-Mitglieder waren den Behörden schließlich nicht unbekannt, sondern waren im Gegenteil schon in den 90er Jahren durch Morddrohungen gegen Linke, Journalist*innen und Gewerkschafter*innen aufgefallen. Erst nachdem bei ihnen 1,4kg Sprengstoff gefunden wurden, sahen sie sich gezwungen unterzutauchen.

Gelinde gesagt halten wir es für unwahrscheinlich, dass polizeilich gesuchte Menschen im heutigen Deutschland unbemerkt über Jahre untertauchen können. Der deutsche Staat verfügt über modernste Überwachungstechniken und wer nicht ins Ausland flieht, der*die wird von den deutschen Behörden früher oder später gefunden. Wer sich mit linker Politik beschäftigt, weiß wahrscheinlich besser als viele andere, über wie viele Möglichkeiten der Verfassungsschutz und die Polizei verfügen, um Menschen auszuspionieren oder aufzuspüren. Daher ist für uns die einzige Erklärung für das Versagen der deutschen Behörden, dass diese den Feind längst woanders ausgemacht haben.
Die Repression, mit der die linke Szene seit langem konfrontiert wird, zeigt, dass der Staat sich eher darauf konzentriert, linksradikale Politik zu erschweren. Vor allem der Versuch von Leuten um Kristina Schröder, linke und rechte Politik gleichzusetzen, erscheint im Licht der Anschläge der NSU lächerlich – wenn es nicht so ernst wäre.

DHDM: Ist es möglich die Gefahr von Rechts zu bekämpfen? Und wenn ja, wie?

AJAK: Wir denken, dass Nazis keine dummen fehlgeleiteten Jugendlichen sind, die nur in die Gesellschaftsform integriert werden müssen. Denn Naziideologie ist nichts weiter als eine Konsequenz unserer Gesellschaft.

Im Kapitalismus sind die Menschen dazu gezwungen ihre Ellenbogen auszufahren und in ständiger Konkurrenz gegen alle anderen zu kämpfen. Außerdem ist die heutige Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung so komplex und undurchsichtig geworden, dass sie sich nach einfachen Erklärungen und klaren „Schuldigen“ für die Übel der Welt sehnen. Die, so zu verwirrten Einzelkämpfer*innen gemachten Menschen, sehen zwar oft, dass vieles auf der Welt nicht gut läuft, wissen aber nicht damit umzugehen. Daraus entwickelt sich das Bedürfnis, sich einer möglichst starken Gruppe, z.B. einer Nation, zuzuordnen, Feindbilder zu konstruieren und sich Autoritäten zu unterwerfen – dieses Bedürfnis kann mit Ideologien wie Faschismus oder Nationalismus bestens befriedigt werden.

Daher denken wir, dass eine Kritik an Nazis immer Hand in Hand gehen muss mit einer generellen und radikalen Kritik an unserer Gesellschaftsordnung. Nur wer versucht zu verstehen, dass diese Welt auf allen Ebenen herrschaftlich organisiert ist, kann auch verstehen, wie und warum sich faschistische Ideologien durchsetzen können.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, sich konkret im Hier und Jetzt gegen Nazis zu engagieren. Radikale Antifaschist*innen versuchen den Kampf gegen Nazis mit der Kritik an Staat, Nation und Kapitalismus zu verbinden. Nicht nur an den Anschlägen der NSU hat man deutlich gesehen, dass Antifaschismus kein Verbrechen, sondern richtig und mehr als notwendig ist. Darum ist es für den Kampf gegen rechts wichtig, linke und antifaschistische Projekte zu unterstützen und sie nicht zu kriminalisieren. Wir denken, dass linksradikale Theorie und Praxis und die Organisation, z.B. in Antifagruppen, die beste Möglichkeit ist, gegen Nazis vorzugehen.

DHDM: Haltet ihr ein Verbot der NPD für sinnvoll?

AJAK: Die NPD bietet der Naziszene eine wichtige Form der Organisation und auch der Finanzierung. Wenn sie verboten würde, wären die Nazis erstmal sehr geschwächt, darum befürworten wir ein Verbot der NPD. Andererseits wissen wir alle, dass Denken sich nicht verbieten lässt und, dass es auch nach einem NPD-Verbot Nazis geben wird.

Jedes Mal, wenn Nazis Gesetze brechen und Gewalttaten ausüben, wird sofort nur nach einem NPD-Verbot geschrien. Dabei denken wir, dass damit das Problem nicht zu lösen ist. Ein Verbot würde der Politik und der Zivilgesellschaft vielleicht das Gefühl geben endlich mal einen richtigen Sieg errungen und was tolles gegen Nazis gemacht zu haben. Aber letztlich haben diese Menschen nach wie vor nicht erkannt, dass rechte Ideologie zusammenhängt mit Kapitalismus und anderen Herrschaftsverhältnissen.

Durch ein Verbot der NPD werden Nazis nicht aussterben. Sie werden vielleicht weniger sichtbar, ihnen werden ein paar neue Steine in den Weg gelegt und sie werden sich sicher ärgern, und das ist alles sehr gut. Aber radikale Praxis, die wirklich die Wurzeln von rechtem Gedankengut angreifen will, sieht anders aus.

Die AJAK ist die Antifaschistische Jugendaktion Kreuzberg. Die Jugendlichen der AJAK wollen gemeinsam auf die Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen und verstehen sich als antifaschistische, antikapitalistische Jugendgruppe. Sie organisieren Demonstrationen gegen rechte Gewalt und fordern ein Umdenken in der Gesellschaft.

Weitere Infos zur AJAK gibt es hier!

Eure Kommentare

    • Fluter
    • Wirtschaft
    • Zugehört
    Zukunft

    Das Kasino hat geschlossen

    Erst waren es nur US-Immobilienfirmen, jetzt sind ganze Länder pleite. Im Jahr 2009 trafen unsere Kollegen von fluter.de Ulrich Schäfer von der Süddeutschen Zeitung zum Interview. Lest in Teil 1 des Interviews, wie es zu dem Crash kam. mehr
    • Fluter
    • Wirtschaft
    • Zugehört
    • Finanzkrise
    Zukunft

    Ein wirklicher Neustart muss her

    Im zweiten Teil des fluter.de-Interviews mit dem Wirtschaftsjournalisten Ulrich Schäfer erfahrt ihr, ob jeder Staat besser sein eigenes Süppchen kochen sollte oder ob ein gemeinsamer Weg aus der Krise überhaupt möglich ist. mehr
    • Fluter
    • Zugehört
    • Migration
    • Integration
    Themen

    Warum Vorurteile so zäh sind

    Deutsche essen Sauerkraut zu jeder Tageszeit, Türken trinken ausschließlich schwarzen Tee in kleinen Gläsern. Amerikaner haben alle ein Waffe und Franzosen sitzen nur in Weinlokalen. Kennt man ja... Oder sieht die Realität etwa anders aus? Unser mehr
    • Zugehört
    • streetblogger
    Zukunft

    Offenbachs Fragen an die Politik

    Die Uhr tickt! Am 29. Februar fliegen in der Berliner Malzfabrik die Fäuste - wenn auch nur verbal. Unser Streetblogger Cihan hat sich in Offenbach auf der Straße umgehört. Seht hier, was die hessische Jugend von der Politik fordert. mehr
    • Fluter
    • Zugehört
    • Finanzkrise

    Wort für Wort:

    Beim Thema Wirtschaft verstehst du nur Bahnhof? Globalsteuerung und das Magische Viereck sind für mehr
    • Fluter
    • Zugehört
    • Migration
    • Integration

    Wann misslingt und wie gelingt

    Zwei Drittel der türkischstämmigen Jugendlichen haben keinen oder höchstens einen mehr
    • Fluter
    • Zugehört
    • Finanzkrise

    Wird Deutschland immer reicher

    Superreiche, die in eigenen Stadtteilen wohnen, rund um die Uhr von Überwachungskameras und mehr
    • Protest
    • Arabischer Frühling
    • streetblogger

    The Point Of No Return

    Seit Monaten geht der syrische Machthaber Baschar al-Assad brutal gegen die rebellische Bevölkerung mehr
Mehr Themen
    • Wirtschaft
    • Integration
    Menschen

    Serdar Somuncus Freie Meinung

    Was sind die Fakten? Wer sind die Gewinner? Wer die Verlierer? Und besser wird's wenn...? Comedian Serdar Somuncu, bekannt für seinen bissigen Witz und Sarkasmus, erklärt euch alles Wichtige rundum Wirtschaft und Integration. Kurz, aber nicht zu mehr
    • Zugehört
    Menschen

    Warm Up mit Megaloh

    Der 29.Februar rückt immer näher und die Vorbereitungen für das große Polit-Battle Zugehört! laufen auf Hochtouren. Warum sich Megalohs Gegner warm anziehen müssen und mit welchen Waffen er in den Ring steigen wird, erfahrt ihr hier. mehr
    • Protest
    • Prekariat
    • Bildungspolitik
    Helden

    Sexy versus Radikal

    Intelligent, Charmant, Kämpferisch: Camila Valejo gilt in Chile als Star: Die einstige Anführerin der Studentenbewegung protestierte leidenschaftlich gegen die ungerechte Bildungspolitik in ihrer Heimat. Bis sie Ende 2011 unerwartet ihr Amt verlor. mehr
    • wirtschafl
    • Zugehört
    • Integration
    Zukunft

    Sind wir nicht alle ein bißchen Rocky?

    "Zugehört!", das Polit-Battle in der Box-Arena, geht in die heiße Phase. Schick uns jetzt deine Meinung und deine Fragen zu den Themen Zusammenleben, Umwelt, Wirtschaft und Bildung und gestalte dein Event voll mit. mehr
    • wenn du dich traust

    Hannahs Glückskeks

    Mit der Hauptrolle in "Wenn Du Dich Traust" ging für Hannah Valentin ein Traum in Erfüllung. Für mehr
    • Zugehört
    • Politik

    Knallhart nachgefragt.

    Unser Streetblogger Cihan hat sich auf den Weg in die Offenbacher Fußgängerzone gemacht und die mehr
    • klimawandel
    • Zugehört
    • Umwelt

    Heiße Phase in Durban

    Seit Anfang Dezember sprechen wir in unserem Skype-Format 3 VOR KLIMAWANDEL einmal die Woche mit mehr
    • Extremismus
    • Politik
    • Rassismus

    Der Kampf gegen den braunen

    Die Verbrechen der Thüringer Neonazis haben die Diskussion über ein erneutes Verbotsverfahren mehr
Mehr Menschen