Nach Oslo und Utøya – Ein Bericht vom Juso-Bundesvorsitzenden Sascha Vogt
Die Anschläge in Norwegen erschütterten die ganze Welt. Unter den 68 Jugendlichen, die auf Utoya ihr Leben lassen mussten, waren viele Mitglieder der sozialdemokratischen Nachwuchsorganisation. Sascha Vogt, Bundesvorsitzender der Jusos, traf die Meldung über den Tod der norwegischen Genossen besonders hart...
Als ich von den Anschlägen in Oslo und auf Utøya erfuhr, kam ich gerade aus dem Urlaub. Nur Stück für Stück erreichten mich die Informationen über mein Handy, dann über die Zeitung und das Fernsehen. Je mehr Informationen ich bekam, desto größer wurden der Schock und das Entsetzen. Die Jugendorganisation der norwegischen Partnerorganisation ist gut mit den Jusos vernetzt. Es gibt viele persönliche Bekanntschaften. Die sozialdemokratischen Parteien überall auf der Welt gehören zur Sozialistischen Internationalen. Das ist ein internationaler Zusammenschluss von sozialdemokratischen Parteien. Der Kontakt ist daher insbesondere unter den Jugendorganisationen sehr eng.
In dieser Woche findet das IUSY-World Festival statt: Auf diesem internationalen Treffen der sozialistischen Jugendorganisationen sind Delegationen aus der ganzen Welt dabei. Normalerweise hätten wir dort auch eine große norwegische Delegation getroffen. Nach den Attentaten haben sie sich aber verständlicherweise gegen die Teilnahme entschieden.
Die schreckliche Tat beschäftigt uns auf dem IUSY-Festival die ganze Woche über. Die Eröffnungsveranstaltung wurde zu einer sehr bewegenden Gedenkveranstaltung und auch heute werden die Vorsitzenden der österreichischen, schwedischen und deutschen Sozialdemokratie zu Besuch kommen und in ihren Reden der Opfer gedenken. Alle, die ich hier auf dem Festival treffe, können kaum fassen, was passiert ist und gedenken der vielen Toten. Die fröhliche und ausgelassene Stimmung, die es sonst auf diesem Festival gibt, wird in diesem Jahr von Trauer und Fassungslosigkeit überschattet.
Was bedeutet das was geschehen ist für uns? Der Anschlag wurde von einem fanatischen Einzeltäter verübt. Aber es handelt sich um eine kaltblütig längerfristig geplante Tat aus verachtenswerten Motiven. Der Anschlag zeigt, dass die Ideen und Ziele von Rechtspopulisten einen gefährlichen Nährboden bieten. Wir dürfen das nicht unterschätzen und müssen weiterhin unbeirrt für Freiheit, Gleichheit, Solidarität und gegen Rassismus kämpfen. Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und Gewalt haben nichts mit einer „multi-kulti-Gesellschaft“ zu tun, so wie es Rechstpopulisten darstellen. Doch mit der Angst vor Abstieg und Armut können diese Leute leicht Meinungsmache betreiben.
Genau das dürfen wir nicht zulassen! Wir wollen keine Gesellschaften, die überwacht, kontrolliert und im Denken und der Meinungsäußerung beschränkt sind. Jens Stoltenberg, der Ministerpräsident Norwegens, hat das in seiner Trauerrede sehr gut ausgedrückt. Wir lassen uns nicht einschüchtern, sondern kämpfen weiterhin für mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Toleranz!