Bericht vom sinkenden Schiff
Griechenland ist pleite, so pleite, dass niemand die Lage mehr leichtfertig übersehen kann. Unsere Korrespondentin Alkmini Boura war mit ihrer Kamera vor Ort unterwegs und hat für DU HAST DIE MACHT Impressionen aus dem verlorenen Staat gesammelt.
Wann genau alles angefangen hat, kann keiner mehr sagen: Die Krise kam schleichend nach Griechenland. Fassungslos starren die Alten auf das, was von ihrem Land übrig geblieben ist, anklagend starren die Jungen auf jene, die es haben geschehen lassen.
Das wahrscheinlich Grausamste an der Krise, die Griechenland erfasst hat ist die Hoffnungslosigkeit. Die Regierung wird in den nächsten Monaten vor allem damit beschäftigt sein ein Sparpaket umzusetzen, das Europa ihr diktiert hat, das vielleicht auch dringend notwendig ist – das aber zunächst jedem in Griechenland übel weh tun wird. Eltern werden Jobs verlieren, Kinder werden keine finden. Für Schulen und Universitäten wird kaum mehr Geld da sein, Ausbildungsplätze werden sich Unternehmer nicht mehr leisten können, Nahrungsmittel werden teurer werden, Autofahren sowieso.
Wer heute in Griechenland jung ist, blickt in ein schwarzes, hässliches Zukunftsloch. Und so werden über kurz oder lang auch jene gehen, die eigentlich gar nicht gehen möchten. Zuerst werden sie traurig sein, wahrscheinlich, dann aber werden sie einen Job im Ausland finden, sich vielleicht verlieben, Häuser bauen und Kinder kriegen – und so schnell nicht wieder in ihr Land zurückkehren. Was das für Griechenland bedeutet, ist grässlich. Wer soll denn dort die Führung übernehmen, wenn die politische und finanzielle Lage langsam wieder im Lot ist? Wo werden all die Köpfe sein, die Griechenland braucht, um "von vorne" anzufangen, wie Zoe es fordert? Wer wird die Werte neu definieren, wenn jetzt all jene gehen, die zurecht wütend sind? Wer der Korruption ein Ende machen?
Griechenland sollte jetzt reagieren, etwa indem es den Klugen für die Zukunft Jobs verspricht oder ähnliches. Auf die Krise folgt sonst nur wieder: die Krise.