Wer ist eigentlich dieser Euro?
In Zeiten von verschuldeten Staaten und gigantischen Rettungsschirmen fragen sich viele Menschen manchmal, wie es mit dem Euro zehn Jahre nach seiner Einführung weitergeht. Unsere Kollegen von fluter.de haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Euro zusammengestellt.
Wie er entstanden ist? Die Idee zum Euro
Vor zehn Jahren trauerten die Deutschen um eine alte Liebe und fragten sich, was wohl der Neue bringen würde. Am 1. Januar 2002 trennten sie sich endgültig von ihrer D-Mark, mit dem Jahreswechsel wurde der Euro als Bargeld offiziell eingeführt. Als Buchgeld existierte er schon seit 1999: Überweisungen zwischen den Euro-Mitgliedsstaaten und im Inland konnten in Euro durchgeführt werden, auch der Aktienhandel wurde schon in der neuen Währung abgewickelt. Neben Deutschland schafften elf andere europäische Länder ihre nationalen Währungen ab, Lira und Francs, Schilling und Drachme waren Vergangenheit.
Die ersten Ideen zu einer Gemeinschaftswährung hielt der luxemburgische Premierminister Pierre Werner schon 1970 in seinem nach ihm benannten "Werner-Plan" fest. Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Valery Giscard d'Estaing führten 1979 dann das Europäische Währungssystem (EWS) ein. Es band die Wechselkurse der EU-Länder eng aneinander und sorgte für Stabilität zwischen den Währungen. Mit Tinte besiegelt wurde die Einführung des gemeinsamen Geldes schließlich im Vertrag von Maastricht 1992, drei Jahre später legte der Europäische Rat den Namen "Euro" fest. 1998 gab die neu gegründete Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt den Umrechnungskurs bekannt: Ein Euro war 1,95583 Mark wert.
Was will er denn? Der Zweck des Euro
17 von 27 EU-Staaten gehören heute zur Währungsunion. Die Bürger der Mitgliedsländer haben sich mittlerweile daran gewöhnt, ein Stück Europa in der Geldbörse zu tragen. Mit dem Euro sollte ein einheitlicher Raum für Handelsbeziehungen geschaffen werden, um Europa neue Kraft im internationalen Wettbewerb zu bringen. Den Bürgern Europas sollte der Euro außerdem eine stärkere gemeinsame Identität geben und das Reisen, Bezahlen und Vergleichen von Gütern erleichtern. Doch nicht alle wollten dabei sein: Die Engländer, Schweden oder Dänen fürchteten zu viel Beeinflussung durch EU-Wirtschaftsentscheidungen – und blieben bei ihren alten Währungen. Auch die Menschen in vielen Mitgliedsländern waren zunächst skeptisch, vor allem hatten sie Angst vor steigenden Preisen. In Deutschland wurde der Euro schnell zum "Teuro". In den vergangenen Jahren profitierte die deutsche Wirtschaft allerdings stark von der neuen Währung: Die Euro-Preise blieben im Vergleich zur D-Mark konkurrenzfähiger – die Folge war ein Exportboom der deutschen Unternehmen und satte Gewinne.
In diesen Ländern bezahlt man mit dem Euro: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich,Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern.
Wie sieht der denn aus? Das Euro-Design
Bis 2002 lächelte zum Beispiel die Komponistin und Pianistin Clara Schumann vom 100-Mark-Schein, dann war die Zeit der deutschen Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft auf den Geldscheinen vorbei. Im Sinne der Währungsgemeinschaft besitzen die Euro-Banknoten einheitlich gestaltete Seiten – lediglich ein paar Ziffern verweisen darauf, aus welcher Druckerei die Scheine stammen. Auf ihren Vorderseiten sind fiktive Fenster und Tore aus kunstgeschichtlichen Epochen abgebildet, Brücken zieren die Rückseiten als Symbole für die Verbundenheit der Euro-Staaten.
Wer genau hinsieht, erkennt auf jeder Euro-Münze das Kürzel "LL". Denn die einheitlichen Vorderseiten wurden vom belgischen Designer Luc Luycx entworfen. Er wollte den Prozess der europäischen Integration abbilden – einige Cent-Stücke zeigen daher ein noch nicht vereinigtes Europa, während man auf den Ein- und Zwei-Euro-Münzen die EU als Einheit erkennt. Die Rückseiten der Münzen tragen national verschiedene Prägungen.
Was ist mit dem denn los? Die Euro-Krise
Welche Dynamiken in einer Wirtschafts- und Währungsunion stecken können, erkannte man zu spät. Vor allem die hohen Staatsverschuldungen von Griechenland oder Irland haben dazu beigetragen, dass innerhalb der internationalen Finanzkrise auch der Euro ins Straucheln geriet. Zwar legten die Euro-Gründer fest, unter welchen Bedingungen ein Land die Währung einführen darf und auf was geachtet werden muss: Zum Beispiel dürfen die Neuverschuldung eines Staates nicht mehr als drei Prozent und die gesamten öffentlichen Schulden nicht mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Verstöße blieben jedoch ungeahndet; auch Deutschland überschritt die Drei-Prozent-Grenze. De facto hat jedes Land weiterhin sein eigene Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieben. Das sagt auch der Wirtschaftsjournalist Wolfgang Münchau im fluter-Interview in unserem aktuellen Geld-Heft: "Kein Land musste bei der Einführung des Euro seine politischen Strukturen anpassen, jeder hat weitergemacht wie vorher. Man hat sich damals auf eine lockere Vereinbarung mit allen EU-Ländern geeinigt, statt mit den Ländern (...) verbindliche Abkommen zu schaffen."
Wo will der denn hin? Die Zukunft des Euro
Während die einen an den Euro glauben, prophezeien die anderen seinen Untergang. Wenn durch strauchelnde Banken und ausweglose Verschuldungen mehrere Staaten pleitegingen und die Hilfsmechanismen dies nicht abfedern könnten, würde die Euro-Zone auseinander brechen. Darin sind sich zumindest viele Wirtschaftsexperten einig. Im schlimmsten Fall wäre der Euro dann am Ende und Staaten müssten zu ihren alten Währungen zurückkehren. Für Deutschland wäre das Zurück zur Ex, der D-Mark, eine Katastrophe: Die alte Währung dürfte im Gegensatz zum Euro deutlich aufgewertet werden. Heißt: Was deutsche Firmen ins Ausland verkaufen wollen, würde dauerhaft teurer. Gleichzeitig würde der europäische Binnenmarkt zusammenbrechen, die Arbeitslosigkeit steigen. Finanzexperte Münchau sagt, dass "die ganze Wettbewerbsfähigkeit, die wir uns in der Vergangenheit erarbeitet haben", dahin wäre.
Neben Griechenland haben auch Portugal, Irland, Italien und Spanien mit ihrer Staatsverschuldung zu kämpfen. die italienische Staatsverschuldung ist nach der griechischen die zweithöchste im Euroraum.
Und wie könnte ein Happy End für den Euro aussehen? Michael-Burkhard Piorkowsky, Professor für Konsumökonomik an der Universität Bonn, hofft "weiterhin auf den Euro" und sieht in ihm eine Voraussetzung für die Idee der Vereinigten Staaten von Europa. Dazu müssten die starken Länder die schwächeren kurzfristig stützen, Haushaltsdefizite müssten konsequent, aber sozialverträglich zurückgefahren werden. "Wir müssen uns vom Wachstumsfetischismus verabschieden, den Menschen eine realistische Lagebeurteilung bieten und die Idee vom Europäischen Haus ernsthaft als politisches Ziel mit hoher Priorität verfolgen", sagt Piorkowsky. Dann würden auch die Kinderkrankheiten des Euro mittelfristig überwunden.
Imke Emmerich ist Volontärin der Bundeszentrale für politische Bildung.
Noch mehr Informationen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Euro bietet die Linkliste:
- Interaktive Karte der EZB zu Beitrittsländern und -jahren
- Wie sehen die denn aus? Alle Prägungen auf Euros
- Die Geschichte des Euro in Bildern, Wirtschaftswoche
- Der Euro in 3 Minuten auf youtube
- Euro, Wirtschaft & Finanzen im Blog des Handelsblatts
- Fotostrecke des Spiegel: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
- Ein Infopaket zum Euro der Bundeszentrale für politische Bildung
- "Ohne Euro wird es noch teurer": Interview mit Finanzexperte Wolfgang Münchau