Grün ist das neue Cool
Die Fashion Week hat es gezeigt: "Grüne Mode" wird immer beliebter. Doch was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Streetbloggerin Uta Friedrich ging für DU HAST DIE MACHT auf Spurensuche.
Wie so oft in Berlin sitzt die Kreativ-Kraft im Hinterhof: Umgeben von Plattenstudios und Tanzstudios arbeitet die kleine Agentur beyond berlin von hier aus daran, grüne Mode in Deutschland populärer zu machen. Was "grün" heißt? Stefanie von der Heides Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Sowohl die Produktion als auch die Materialien müssen "grün" sein, das heißt zum einen: Keine Pestizide beim Anbau von Baumwolle oder anderen Rohstoffen, keine Chemikalien beim Färben von Stoffen, sparsam mit dem Wasser umgehen, das für die Produktion von Textilien benötigt wird. Das heißt aber auch, dass die Arbeiter, die an den Nähmaschinen sitzen, fair bezahlt werden oder dass mit dem Kauf eines T-Shirts andere Projekte in Entwicklungsländern unterstützt werden."
Stefanie ist Kommunikationsmanagerin von beyond berlin – und Überzeugungstäterin. "Brauche ich wirklich 20 T-Shirts im Schrank, wenn ich nur drei von ihnen wirklich gerne trage?", fragt sie mich, "und wusstest du, dass für die Herstellung eines einzelnen T-Shirt im Durchschnitt 4000 Liter Wasser verbraucht werden?".
Nein, das wusste ich nicht – und damit gehöre ich zur großen Mehrheit der Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands. Menschen wie mich mit guten Argumenten zu überzeugen, "grün" zu kaufen, dass ist die Mission von beyond berlin. Die guten Argumente liegen in diesem Fall in der Mode selbst: "Grüne Mode ist mehr als dieses verstaubte Image von der Öko-Leinenhose und den Sandalen. Doch selbst wenn Grüne Mode es längst geschafft hat, den Kartoffel-Sack-Faktor abzulegen, muss das Design noch besser werden." Genau dabei möchte beyond berlin helfen: Ein Produkt soll nicht nur "gut" sein, weil es aus Biobaumwolle ist, sondern weil es ein cooles Design hat.
Zu jung um öko zu sein
Das müsste Designerin Mareike Ulman aus der Seele sprechen: "Leute sollen mein Zeug kaufen, weil sie es schön finden", meint sie. Ihre eigene Kollektion „Format“ steht für nicht giftige, ökologische Trendiness. Einen dicken Haken gibt es aber: Biomode ist teuer. Das billigste T-Shirt im Neuköllner Atelier kostet 60 Euro. "Aber die Berliner Marke Slowmo macht über avocadostore.de gerade einen Ausverkauf – da kostet der Rock dann nur 119 statt 169 Eur!" Aha. Und das soll ein Schnäppchen sein?
Die Designerin Jeanette Bruneau weiß um das Problem: "Junge Leute sind sehr trendbewusst, kaufen aber lieber mehr und dafür billig als wenig und dafür hochwertig". Die Zielgruppe ihrer Marke treches ist daher eher älter, ab 25 Jahre und aufwärts – aber damit hat sie sich abgefunden. „Ich möchte, dass Menschen grüne Mode aus Überzeugung kaufen. Deshalb versuche ich auch nicht, sie mantraartig zu überreden, indem ich etwa über all das Gift spreche, dass in herkömmlicher Kleidung steckt. Die sollen von selbst zu mir kommen, nicht aus Angst".
Dennoch: Was tut der junge Mensch, der wenig Geld hat – aber unter Umständen gerne grün gekleidet wäre? Stefanie von der Heide kennt die Antwort: "Second Hand, Recycilng, Upcycling – man kann aus alter Kleidung ganz leicht coole neue Kleidung machen, manchmal reicht es, ein paar bunte Knöpfe anzunähen!" Und der- oder demjenigen, dem das zu umständlich ist, kommt das neu geborene "grüne Bewusstsein" großer Marken zugute: Marco Polo, Zara oder C&A werden immer grüner, H&M bietet mit der "Conscious"-Kollektion seit diesem Jahr Kleidung aus Biobaumwolle an. Na dann – nichts wie ran! Denn Grün ist das neue Cool.
Übersetzung: Anna Mauersberger
Der Text „Grün ist das neue Cool“ entstand im Rahmen des diesjährigen M100-Workshops, der von DU HAST DIE MACHT mit ausgerichtet wurde.
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