Kampf gegen Cyber-Mobbing
Facebook und Time Warner haben eine Kampagne ins Leben gerufen, die dem Kampf gegen Mobbing im Internet aufnehmen will. Ein Bericht von...
Facebook, das dem Mobbing im Netz selbst eine große Plattform bietet und maßgeblich zu seiner Beschleunigung beigetragen hat, verfolgt mit diesem Vorstoß vor allem ein Ziel: Öffentlichkeit, Gesellschaft, Internet-Nutzer und Schüler dafür zu sensibilisieren, dass es sich bei Mobbing im Netz um ein ernst zu nehmendes Problem handelt.
Die beiden Unternehmen wollen das Bewusstsein für die weit verbreiteten Angriffe auf Jugendliche via Internet schärfen und Mobbing-Opfer dazu ermutigen, sich auf jeden Fall dagegen zu wehren. Besonders Jugendliche und junge Menschen geraten oftmals an der Schule ins Visier von Mobbern. Mobbing im Internet hat viele Namen und Gesichter: die Begriffe Cyber-Mobbing, Internet-Mobbing, Cyber-Bullying sowie Cyber-Stalking umfassen unterschiedliche Formen der Diffamierung, Belästigung oder Nötigung von Mitmenschen mittels technischer Kommunikationsmittel – sei es in Foren oder sozialen Netzwerken im Internet oder über das Handy. Time Warner plant entsprechende Botschaften über den Fernsehsender CNN sowie über mehrere große Magazine zu verbreiten, Facebook will nach eigenen Angaben eine neue Anwendung etablieren, mit der die Nutzer ihre Unterstützung der Kampagne zum Ausdruck bringen können.
Berichte über Opfer von Cyber-Mobbing haben sich in den letzten Jahren immer mehr gehäuft. In den vergangenen Monaten drangen vor allem Fälle aus den USA an die Öffentlichkeit: gegen einen US-Studenten wurde Anklage erhoben, weil er seinen homosexuellen Kommilitonen bei einem Treffen mit dessen Liebhaber gefilmt und die Bilder ins Netz gestellt haben soll. Das Opfer der Mobbing-Attacke brachte sich um.
Zum Präzedenzfall wurde 2008 die Tat einer 49-jährigen Amerikanerin aus dem US-Staat Missouri. Laut Anklage kontaktierte die Frau mit dem erfunden Profil eines Jungens namens Josh ein 13-jähriges Mädchen in ihrer Nachbarschaft. Durch gezieltes Online-Mobbing hatte sie den Teenager derart unter Druck gesetzt, dass das Mädchen zunächst in Depressionen fiel und sich schließlich im Elternhaus das Leben nahm.
Nach Schätzungen des Weißen Hauses sind in den USA etwa 13 Millionen Kinder und Jugendliche bereits einmal zum Ziel von Mobbing im Internet geworden. Eine repräsentative Studie der Universität Münster in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse veröffentlichte 2011 das Ergebnis, dass in Deutschland mittlerweile mehr als 36% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen Opfer von Cyber-Mobbing wurden. 21% der Befragten konnten sich vorstellen, auch als Täter im Internet aufzutreten. Der genaue Starttermin der Kampagne steht noch nicht fest – für alle Facebook-Nutzer dürfte er jedoch schwer zu verpassen sein.