Von der Klotür ins Internet
Jenny und Susanne vom Medienkompetenzzentrum „Szenenwechsel“ in Neukölln waren so nett, Christiane von
ein paar Fragen zu beantworten.
Ist Mobbing schlimmer geworden in den letzten Jahren?
Schlimmer würde ich nicht sagen, aber es ist einfacher geworden zu mobben. Man kommt viel schneller in die Täterrolle, denn im Internet kann man ja beispielsweise anonym bleiben. Dadurch wagen sich die Täter an Sachen heran, die sie im realen Leben vielleicht nicht tun würden. Der Täter hat auch oft nicht so schnell ein schlechtes Gewissen, da er ja die Reaktion des Opfers meist nicht direkt mitbekommt und somit nicht sieht, was er da gerade anrichtet. Cybermobbing ist derzeit eine sehr verbreitete Form des Mobbings – ist ja logisch, da sich das Leben der Jugendlichen heute zunehmend virtuell abspielt. Auch mit dem Handy kann man natürlich mobben, sei es nun über SMS oder anonyme Anrufe...
Wie wird denn nun über das Internet gemobbt?
Früher hat man z. B in der Schule an die Toilettentür geschrieben: "Person XY ist hässlich/doof/stinkt." Heute postet man so etwas in sozialen Netzwerken. Dadurch wird natürlich der beteiligte Personenkreis viel größer. Das ist noch mal beängstigender für den Gemobbten, weil man kaum mehr einschätzen kann, wer alles beteiligt ist. Außerdem ist es schwierig, die Beschimpfungen zu löschen. Eine Toilettentür lässt sich abwaschen – eine Internetseite nicht!
Kann man verhindern, ein Cybermobbing-Opfer zu werden?
Man kann es nicht gänzlich verhin- dern, aber es ist hilfreich, so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Vor allem sollte man aufpassen, was man in den Communities macht – welche Fotos und Daten man veröffentlicht, was man von sich preisgibt. Mit wem man sich anfreundet. Man kann sich zum Beispiel die Frage stellen: Brauche ich 500 virtuelle Freunde, die ich kaum kenne, oder reichen auch siebzig? Man sollte Internetseiten, die ausschließlich zur Verbreitung von Klatsch und Tratsch eingerichtet worden sind, boykottieren und nicht noch durch Klicks unter- stützen. Es ist wichtig, immer wieder selber darauf zu achten, wie man sich im Internet verhält.
Und wenn man schon im Internet gemobbt wird? Was sollte man dann tun, um diesem Angriff zu entkommen?
Auch wenn es sehr schwer fällt. Am Besten ist es, die Angriffe zu ignorieren. Dann werden sie mit der Zeit auch für die Täter uninteressant. Sprecht mit Euren Eltern, Lehrern und Jugendeinrichtungen über Euer Problem. Wenn das Mobbing unerträglich wird, sollte man sich nicht scheuen, die Polizei einzuschalten und Anzeige zu erstatten. Je mehr sich wehren, desto besser ist es.
Mobbing oder Mobben (von englisch to mob "anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemanden herfallen" und mob "Meute, Gesindel, Pöbel, Bande") steht im engeren Sinn für "Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln." Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen, beispielsweise in der Schule (Mobbing in der Schule), am Arbeitsplatz, im Sportverein, im Altersheim, im Gefängnis und im Internet (Cyber-Mobbing). Typische Mobbinghandlungen sind die Verbreitung falscher Tatsachen, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit. (Quelle: Wikipedia)