Facebook Bye Bye?
Ein Leben ohne Facebook – ist das heute überhaupt noch denkbar? Wir haben die Frage diskutiert und für euch das Für und Wider aufgeschrieben.
Wir haben in unserer Redaktion nachgefragt, wie wichtig Facebook für den Alltag des Redaktions-Teams ist – und wie ein Leben ohne Facebook aussehen würde. Dabei sind wir auf zwei interessante Positionen gestoßen:
Ein Leben ohne Facebook?
Undenkbar. Facebook ist die Zukunft.
Kommentar von Norman Siegel
Facebook ist eines der wichtigsten Kommunikationstools von Heute und verbindet Millionen von Menschen weltweit miteinander. Die Möglichkeit zu sehr schneller Kommunikation bietet kein Portal so gut wie Facebook – und das auch noch kostenlos. Deswegen sage ich: Facebook muss bleiben.
Natürlich gibt es immer wieder Fälle, wo User-Daten an Dritte weitergegeben werden; in Facebook eingespeiste Dateien bleiben auf immer im Internet zugänglich. Doch ich wage zu behaupten: Das wissen wir inzwischen fast alle. Es ist unsere Entscheidung, Informationen hochzuladen und weiterzugeben. Wir müssen nicht bevormundet werden.
Hinzu kommt: Facebook macht Spaß. Wer von uns hat nicht das Bedürfnis – und mag es noch so klein sein – sich darzustellen und sich anzuschauen, wie die Freunde sich darstellen? Unnützes Zeug zu posten und unnützes Zeug zu lesen? Sich intime Fotos von wildfremden Menschen anzuschauen?
Facebook bietet jedem Individuum die Chance, nach außen einen Eindruck von sich zu vermitteln und sich so zu präsentieren, wie man es selbst für angemessen hält. Der flippige Draufgänger, der Aktivist, der Dauerposter oder der Geheimniskrämer: Sie alle ergötzen sich auf ihre Weise an den Vorzügen des Portals. In Zeiten, in denen eine schnelle Selbstdarstellung immer wichtiger wird, da die Zeit für mehr oft schlichtweg fehlt, bietet Facebook eine gute Alternative zum Austausch. Und die Nachrichten und posts, die man sich schreibt, sind doch im Endeffekt nichts anderes als „elektronische Briefe“ – nur unmittelbarer, schneller und öffentlicher.
Nicht umsonst schreibt Facebook denn auch Geschichte. Man denke nur an Wikileaks oder die arabischen Revolutionen: Ohne Facebook wären sie nie so groß geworden. Es sind eben jene Unmittelbarkeit, Schnelligkeit und Öffentlichkeit der Facebook-Kommunikation, die sich der Kontrolle von Regierenden entziehen – und zwar sowohl von Autokraten als auch Demokraten.
Facebook fordert alteingesessene Strukturen heraus, gesellschaftliche Strukturen (so wie Freundschaften, Beziehungen und Arbeitsverhältnisse) aber auch politische Strukturen. Umso wichtiger, dass es sich stetig weiterentwickelt – der User muss nur lernen, verantwortlich damit umzugehen.
Ein Leben ohne Facebook?
Himmlisch. Wir wären endlich wieder frei.
Ein Kommentar von Esra Urun
Ha. Jetzt seid ihr wach, oder? All eure Nachrichten futsch, eure Fotos gelöscht, eure Freundschaften beendet – und ihr virtuell tot. Nun, so schlimme Dinge wünsche ich euch natürlich nicht. ABER: Eine Altersbeschränkung muss her. Unter 18 sollte der Facebook-Zugriff verboten werden. Und noch lieber wäre mir persönlich 21.
Warum? Weil Facebook uns komplett in der Hand hat: Man verabredet sich über Facebook. Man unterhält sich über Facebook. Man antwortet auf Facebook-Nachrichten eher als auf E-Mails – ja, seitdem ich hier Praktikantin bin weiß ich: Man spricht sogar seine Interviewpartner über Facebook an. Wir machen uns abhängig – und das allein ist schon Grund genug zu sagen: Halt! Stop! Sucht ist scheiße, das wissen wir alle. Und Facebook-Sucht eben auch.
Ich weiß, ich weiß: Über Facebook kann man so toll alte Freunde wieder finden. Und da ist bestimmt auch was dran. Dennoch: Ein 13-, 14- oder 15-Jähriger muss nicht nach alten Freunden suchen. Wer in dem Alter schon so viel erlebt hat, dass er FB braucht, um klar zu kommen, den muss man erst einmal finden. Eher sollte ein junger Mensch nach immer neuen Freunden Ausschau halten – und zwar im echten Leben.
Aber Bindungen zwischen Menschen gehen immer mehr verloren – und das nicht zuletzt durch Facebook. Jeder ist mit jedem, kann mit jedem, will mit jedem – alles wird geteilt, Exklusivität gibt‘s nichts mehr, demnach auch nicht mehr „die eine echte Freundschaft“. Total traurig.
Und wie soll man sich noch für jemanden ernsthaft interessieren, über den man eigentlich alles Wichtige schon kennt – und zwar inklusive der peinlichsten Fotos, der Exfreundinnen, der Verdauungsgewohnheiten und der schlimmsten Ängste? Also ehrlich: Das will man doch gar nicht alles wissen!
Ohne Zweifel: Unsere Generation verwendet viel Zeit und Energie darauf, sich mitzuteilen. Doch wofür? Für Nichts und Wieder Nichts. Engagiert euch lieber politisch, streichelt Tiere oder massiert eurem Freund die Füße - da kommt mehr bei rum.