Keine Haft für ein Gedicht in Bahrain
Am 12. Juni war die junge Lehramtsstudentin Ayat Al-Qarmezi von einem Militärgericht wegen Teilnahme an illegalen Protesten, Störung der öffentlichen Sicherheit und Aufwiegelung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden.
Ihren Angaben zufolge verbüßte sie die ersten 15 Tage der Strafe in Einzelhaft, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt, Schläge und Folter durch Elektroschocks standen auf der Tagesordnung. Ihre Familie durfte sie ausschließlich nach den Sitzungen an den drei Tagen der Gerichtsverhandlungen sehen.Ihren Einsatz für die Freilassung der Studentin begründet die Menschenrechtsorganisation folgendermaßen: "Amnesty International geht davon aus, dass Ayat al-Qarmezi einzig deswegen inhaftiert wurde, da sie in der Öffentlichkeit friedlich ihre Meinung geäußert hat und somit eine gewaltlose politische Gefangene ist. Aus diesem Grund sollte sie umgehend und bedingungslos freigelassen und die Anklagepunkte gegen sie fallen gelassen werden."
Ein großer Erfolg konnte durch den Einsatz Amnesty Internationals am vergangenen Mittwoch verzeichnet werden: Ayat Al-Qarmezi wurde am 13. Juli aus der Haft entlassen. Allerdings ist diese Freilassung an Bedingungen geknüpft, sie darf weder den Inselstaat verlassen noch sich öffentlich zu den Umständen ihrer Gefangenschaft äußern.
Das Urteil ist zudem nicht aufgehoben. Daher fordert die Menschenrechtsorganisation die sofortige Aufhebung der Bedingungen, unter denen Ayat Al-Qarmezi freigelassen wurde sowie die Untersuchung ihrer Foltervorwürfe.
In Zusammenhang mit den Reformkundgebungen wurden mindestens 500 Personen inhaftiert, vier von ihnen starben unter bisher ungeklärten Umständen in Haft. Dutzende Festgenommene wurden vor Militärgerichte gestellt und für schuldig befunden. Die verhängten Strafen reichen von geringen Haftstrafen bis hin zu Todesurteilen, die bisher in zwei Fällen ausgesprochen wurden.