Occupy Berlin: Der Protest geht weiter
Seit Samstag sitzen die Anhänger der Occupy-Bewegung jeden Tag vor dem Bundestag, um gegen das Finanzsystem, gegen politische Entscheidungen und für mehr Mitspracherecht zu demonstrieren. Im Moment geht es ihnen vor allem darum, sich zu organisieren – und die Demo am Samstag vorzubereiten.
Spanien, Portugal, Griechenland - seit Monaten gehen in vielen Teilen Europas junge Menschen auf die Straße. Jetzt hat die Bewegung auch Deutschland erreicht: Seit der großen Demo am Samstag sitzen vor allem junge Menschen zusammen und überlegen, wie dieser Protest weitergehen soll. Was braucht man alles, um die nächste Demo noch größer und wirkungsvoller zu machen? Welche Protest-Themen sind besonders wichtig? Und wie geht man am besten mit der Polizei um? Über solche und ähnliche Themen diskutieren die Protestierenden jeden Tag vor dem Bundestag. Ihr Ziel: Weitermachen. So lange, bis sich etwas ändert.
"Dies ist eine deutsche Bewegung und ich bin sehr glücklich, dass das hier passiert", erzählt uns eine junge Spanierin mit leuchtenden Augen, die vor dem Bundestag ein Transparent bemalt: "Asamblea" steht darauf. Versammlung. Sie ist eine der rund 150 Protestierenden, die es trotz der Kälte auf der Bundestagswiese aushalten. Und sie kommt aus dem Land, das den deutschen Versammlungen ihren Namen gegeben hat – und den manche der Protestierenden noch gar nicht richtig aussprechen können: ASAMBLEAS. "In Spanien laufen die Diskussionen genauso ab wie hier. Das ist toll, dass wir so viel voneinander lernen können. Ich hoffe nur, dass die Bewegung hier noch größer wird".
Die Bewegung größer zu machen, das ist das Ziel, das wohl alle der hier Versammelten vereint. Auf welchem Wege dies allerdings geschehen soll, ist umstritten: Manche von ihnen würden hierzu gerne vor dem Bundestag ein Camp aufschlagen, so wie es im Moment in Frankfurt vor der europäischen Zentralbank geschieht. Andere finden das Symbol des Camps nicht so wichtig. Eins allerdings ist sicher: Am Samstag wird in Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Berlin und Kiel zu friedlichen Protesten und Kundgebungen aufgerufen. DU HAST DIE MACHT ist selbstverständlich für euch dabei!
Letzten Samstag, den 15. Oktober 2011, fand die erste große Demonstration der Occupy-Bewegung statt. Über 40.000 Menschen in über 50 Städten gingen an dem Tag in Deutschland auf die Straße, in Italien waren es mehr als 100.000, selbst in Australien und Asien machte sich die "Occupy"-Bewegung bemerkbar. Das Wort "Occupy" stammt aus dem Englischen und heißt "besetzen". Es wurde zuerst von der Protestbewegung an der New Yorker Börse, der Wall Street, verwendet, die seit dem 17. September dort ihre Zelte aufgeschlagen hat.