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Junge Menschen vor weissem Hintergrund
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17. Juni 2011

Ein Praktikum während und nach dem Studium oder der Ausbildung ist völlige Normalität. Gerade im Zuge der Ausbildung sind "praktische Erfahrungen" sammeln und "erste Kontakte knüpfen" berechtigte Argumente dafür, einen Hungerlohn oder sogar "gar keinen Lohn" in Kauf zu nehmen. Doch bleibt es in der Regel nicht beim ersten "Reinschnuppern".  Auf ein erstes Praktikum folgt meist ein zweites - vor allem dann, wenn man bereits fertig ausgebildet ist und vielleicht noch keinen Job in Aussicht hat.   
Ha! Aber da kommt ein Punkt ins Spiel, der unser aller Leben prägt: Geld. Das liebe Geld - alle wollen es, alle brauchen es, längst nicht alle haben es – vor allem die Praktikanten nicht. Denn viele Firmen, gerade aus den kreativen Branchen, nehmen zwar gerne Frische und Können des Nachwuchses in Anspruch, geben dafür aber nichts zurück. "Na gut", sagen sich viele, "ich muss ja erstmal reinkommen" – und das nutzen viele Arbeitgeber schlicht und ergreifend aus. 

Na, was für ein Dilemma! Aber hey - mal so von Praktikant zu Praktikant: Jeder kann sich doch eigentlich aussuchen, ob er für lau arbeiten will oder nicht? Nur: So einfach ist das oft nicht. Der Lebenslauf braucht Referenzen und zwar am besten welche mit tollen Namen! Und so rennen potenzielle Praktikanten der Firme „Megabekannt“ tatsächlich die Tür ein, sobald diese ein Praktikum ausschreibt, das sie „leider nicht entschädigen“ kann. Denn, hey, viiiieeelleicht trifft man doch DEN Kontakt, der einem die Tür ins Berufsleben öffnet.  Laut einer im Mai 2011 erschienenen Studie des Deutschen Gewerkschafts Bund (DGB)  erhofft sich jeder zweite Uni-Absolvent, dass er nach dem Praktikum einen Arbeitsvertrag unterschreiben kann. Die klägliche Realität ist, dass das bei gerade einmal 17% der knapp 700 Befragten tatsächlich eintrifft. Der Rest hat zwar ein Praktikumszeugnis in der Hand, muss sich aber weiter um Referenzen bemühen – und das alles obwohl oft schon während des Studiums durchschnittlich vier Praktika absolviert werden.  Man man man, das klingt doch alles so, als könnte man es gleich sein lassen! Zumal in vielen Firmen der Status „Praktikant“ nur auf dem Papier existiert - zum Lernen werden die wenigsten eingestellt. Im Gegenteil: Eigentlich, so ist auch meine Erfahrung in der Vergangenheit, wird oft erwartet, dass man funktioniert und das genauso wie die, die es schon jahrelang machen. Wir sind „vollwertige Arbeitskräfte für wenig Geld“ - so kommentieren auch viele Internet-User ihren Status als Dauerausgebeutete.  

Ein Praktikum zu machen ist in vielen Fällen schlicht ein Luxus geworden – ein Luxus, der entweder aus eigener Tasche, von den Eltern oder vom Staat getragen werden muss. Da das Einkommen des Praktikanten viel zu gering ist, um normal laufende Lebenshaltungskosten zu bezahlen, ist er auf Hilfe angewiesen, und das, obwohl er Vollzeit beschäftigt ist. Da läuft doch etwas schief!   Auch wenn Praktika über einen überschaubaren Zeitraum hinweg durchaus ihren Nutzen haben können, vor allem wenn sie bezahlt werden und zumindest wirklich einen Lerneffekt haben, ist und bleiben sie problematisch. Es ist höchste Zeit, dass die Politik sich dieses Themas annimmt und arbeitswilligen jungen Leuten bessere Wege für den Berufseinstieg öffnet als den ewigen Praktikum-Marathon.      

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